Professor Theo Hahn (1928 – 2016)

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Nachruf

Am 12.02.2016 verstarb Prof. em. Theo Hahn, Institut für Kristallographie, RWTH Aachen, wenige Wochen nach seinem 88. Geburtstag.

Theo Hahn studierte ab 1946 Mineralogie, Kristallographie, Physik, Chemie und Mathematik an den Universitäten Marburg/Lahn und Frankfurt/Main, wo er 1952 bei Herbert O’Daniel promoviert wurde. Als Postdoc verbrachte er 1953 – 1956 einen Forschungsaufenthalt am Massachussetts Institute of Technology bei Martin J. Buerger. Dieser Aufenthalt prägte einerseits sein Privatleben nachhaltig, da er seine spätere Ehefrau Jane kennenlernte, andererseits aber auch wesentlich seinen wissenschaftlichen Werdegang. Nach seiner Rückkehr an das Mineralogische Institut der Universität Frankfurt zählte Theo Hahn zu den Pionieren der Anwendung von elektronischen Großrechnern auf die Kristallstrukturforschung in Deutschland. 1960 erhielt er die Venia Legendi für das Lehrgebiet „Mineralogie und Kristallographie“. Im Jahre 1963 folgte er dem Ruf an die RWTH Aachen und begründete das Institut für Kristallographie, dessen Direktor er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993 blieb.

Sein großes Engagement in der Lehre deckte eine breit gefächerte Themenpalette ab (Grundzüge der Kristallographie, Beugungsmethoden, Kristallstrukturbestimmung, Kristallchemie und Kristallphysik, Symmetrielehre, Kristallzüchtung, Allgemeine und Angewandte Mineralogie) und endete auch nicht mit seiner Emeritierung, sondern wurde noch viele Jahre mit Vorlesungen über „Höhere Kristallographie: Symmetrie von Molekülen und Kristallen“ fortgesetzt. Er faszinierte in seinen Vorträgen durch seine plastische Ausdrucksweise und lebhafte Artikulation.

 
 

Theo Hahns besonderes wissenschaftliches Interesse galt der Theoretischen Kristallographie/Symmetrielehre, der Kristallchemie und Kristallphysik von oxidischen Phasen, insbesondere Silikaten, Germanaten, Sulfaten, Boraten, sowie Phasenumwandlungen und Zwillingsphänomenen in Kristallen. Er war 1972 – 2009 Herausgeber und Autor der International Tables for Crystallography, Vol. A und 1972 – 1983 und 1993 – 2003 Vorsitzender der International Tables Commission der International Union of Crystallography.

Als herausragender akademischer Lehrer und Wissenschaftler genoss Theo Hahn große nationale und internationale Anerkennung. Er war 1982 – 1984 Vorsitzender der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) und 1984 – 1987 Präsident der International Union of Crystallography. 1997 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie (DGK) verliehen und im selben Jahr erhielt er die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der DMG, die Abraham-Gottlob-Werner-Medaille in Silber in Würdigung seiner großen Verdienste um die Kristallographie. 2001 wurde das wissenschaftliche Lebenswerk Theo Hahns mit der Carl-Hermann-Medaille der DGK ausgezeichnet.

Trotz des Beginns einer schweren Krankheit 2009 blieb Theo Hahn bis zu deren erneuten heftigen Verlauf vor wenigen Monaten motiviert und produktiv: 2014 erschien eine überarbeitete und erweiterte Fassung eines Übersichtsartikels von Theo Hahn und Helmut Klapper über „Twinning of crystals“ in den International Tables for Crystallography, Vol. D: Physical Properties of Crystals. Zum International Year of Crystallography 2014 der UNESCO trug Theo Hahn im Juni 2014 durch einen Festvortrag an der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Thema „2500 Jahre Symmetrie in Kunst, Musik und Kristallen“ bei.

Zu seinen Ehren fand am 03. März 2017 ein Gedenkkolloquium statt. Professor Georg Roth konnte über 40 ehemalige Kollegen, Freunde und Schüler und die Familie Hahn begrüßen. Das Programm wurde von 14 Vortragenden gestaltet, die in persönlichen Erinnerungen und wissenschaftlichen Vorträgen die schillernde Persönlichkeit Theo Hahns und seinen Lebensweg darstellten.

Wir trauern um einen großen Wissenschaftler mit Überblick und besonderem Augenmerk auf grundlegende, auch fachübergreifende Zusammenhänge, einen inspirierenden Hochschullehrer und mitreißenden Redner und einen wundervollen Menschen.